Schengen hat Flugreisen deutlich vereinfacht
Es ist mittlerweile so selbstverständlich geworden, dass es uns gar nicht mehr auffällt: Wer innerhalb des Schengen-Raums eine Reise unternimmt, muss keine Passkontrollen durchlaufen. Augenfällig wird dieser Vorteil auf Flugreisen. Denn auf jedem europäischen Flughafen werden die Passagiere nach dem Check-in strikt nach den Kategorien «Schengen» und «Non-Schengen» getrennt. Erstere können nach der Sicherheitskontrolle direkt zum Gate. Letztere müssen zusätzlich anstehen für die Passkontrolle. Gleiches gilt bei der Ankunft.
Hohe Investitionen für die Schengen-Tauglichkeit
Diese Trennung stellte die Landesflughäfen vor grössere Herausforderungen, als die Schweiz nach dem Volksentscheid von 2005 dem Schengen-Raum beitrat. Der Flughafen Zürich etwa baute sein Fingerdock B komplett um, mit zwei unterschiedlichen Ebenen für Schengen- und Non-Schengen-Passagiere. Insgesamt wurden 260 Millionen Franken investiert. Am Aeroport de Genève wurde ein Umbau für 40 Millionen Franken nötig. Aber auch der EuroAirport bei Basel und sogar der Flugplatz Bern-Belp wurden mit Investitionen in Millionenhöhe Schengen-tauglich gemacht.
Die Frontex-Abstimmung vom 15. Mai ist für die Flughäfen und Airlines sehr relevant, weil nach einer Ablehnung die Schengen-Mitgliedschaft der Schweiz ernsthaft gefährdet wäre. Grund: Die Beteiligung am Ausbau der europäischen Grenzschutzagentur gilt als Bestandteil des Schengen-Vertrags. Erfüllt die Schweiz diesen nicht, sieht der automatische Kündigungsmechanismus ihren Ausschluss innerhalb von sechs Monaten vor. Die Folge: An den Schweizer Flughäfen müssten künftig alle abfliegenden und ankommenden Passagiere eine streng kontrollierte Schengen-Aussengrenze passieren.
«Diesen Vorteil wollen wir nicht verspielen.»
Für die Airportbetreiber wäre das eine riesige und kostspielige Herausforderung, denn der Betrieb müsste innert kürzester Zeit völlig reorganisiert werden. Aber auch ihre Kunden bekämen den Ausschluss negativ zu spüren, wie Stephan Widrig, CEO der Flughafen Zürich AG betont: «Dank Schengen profitieren Reisende innerhalb Europas von kurzen Wegen und wenigen Kontroll-Stopps an den Flughäfen. Diesen Vorteil wollen wir nicht verspielen.» Für ihn ist deshalb klar: Am 15. Mai braucht es ein Ja zu Frontex und Schengen.
