Riskieren wir nicht unsere Reisefreiheit

Vanessa - Kampagnenteam
Vanessa - Kampagnenteam
10 March 2022 Lesezeit: 2 Minuten
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Frau von hinten fotografiert in Italien
Der Schengen-Raum umfasst insgesamt 26 Staaten, darunter auch alle unsere Nachbarländer. Welche Bedeutung hätte nun ein Schengen-Ausschluss der Schweiz für unsere persönliche Reisefreiheit, aber auch für unsere Tourismusbranche?

Dank dem Schengen-Abkommen können sich Schweizerinnen und Schweizer frei im Schengen-Raum bewegen – also beinahe überall in Europa. Doch was bedeutet das genau? Das Abkommen bewirkt, dass systematische Personenkontrollen an allen Grenzübergängen zwischen Schengen-Staaten hinfällig sind. Fährt man also mit dem Auto, mit dem Velo oder dem Zug etwa nach Deutschland oder Italien, verläuft der Grenzübertritt zumeist ohne Unterbrechung. Reisende müssen sich nicht herumplagen mit strengen Grenzkontrollen und langen Staus, wie es sie in früheren Jahren noch häufig gab. Heute überqueren täglich ungefähr 600'000 Fahrzeuge die Schweizer Grenze ins Ausland – sie alle zu kontrollieren, wäre ein riesiger Aufwand. Mit Schengen wurden auch Flugreisen einfacher: Wer innerhalb des Schengen-Raums fliegt, muss weder vor dem Abflug noch bei der Ankunft seinen Pass zeigen. Diese bequeme Reisefreiheit steht nun mit der Frontex-Abstimmung auf dem Spiel. Denn eine Ablehnung der Schweizer Beteiligung am Ausbau der europäischen Grenzschutzagentur hätte automatisch die Kündigung des Schengen-Abkommens zur Folge. Damit würde die Schweizer Grenze zu einer Aussengrenze des Schengen-Raums, was weitreichende Einschränkungen zur Folge hätte.

Auch der Schweizer Tourismus hat bis zur Corona-Pandemie stark vom Schengen-Abkommen profitiert. Touristinnen und Touristen aus Drittstaaten ausserhalb Europas haben die Möglichkeit, ein so genanntes Schengen-Visum zu beantragen. Damit können sie während 90 Tagen im gesamten Schengen-Raum, also auch in der Schweiz, uneingeschränkt umherreisen. Bei einer Kündigung müssten solche Personen ein separates Visum für die Schweiz beantragen. Je nach Herkunftsland ist das ein aufwändiger Prozess, auf den viele wohl verzichten würden. Denn was hält sie dann davon ab, die Alpen in Österreich zu besuchen, anstatt in der Schweiz?

Seit dem Schengen-Beitritt kommen nachweislich vermehrt Touristen aus China, Indien oder den Golfstaaten in die Schweiz. Für unsere Hotellerie, Gastronomie oder den Detailhandel ist diese Kundschaft nach zwei äusserst schwierigen Jahren besonders wichtig. Sollten sich die Einreisebedingungen dieser Personen erschweren, weil die Schweiz aus Schengen austritt, rechnet der Schweizer Tourismus mit einem Verlust von über 500 Millionen Franken pro Jahr.